DIKTATOREN SPRECHEN ÜBER DAS THEATER
Folge 9: JOHANNES PAUL II und andere Päpste
In Rom waren ab 1698 durch einen Erlass von Papst Innozenz XII. sämtliche Theater- und Opernaufführungen verboten. Clemens XI. bestätigte 1700 dieses Verbot - zunächst nur für ein Jahr. Das Verbot wurde aus verschiedenen Gründen aber erst 1710 wieder aufgehoben.1960 verbot Pabst Johannes XXIII Klerikern Kino- und Theaterbesuche.
Johannes Paul II, Pabst von 1978-2005, wandte sich immer wieder auch an Theatermacher:
Mit diesem Brief wende ich mich an euch, ihr Künstler auf der ganzen Welt, um euch meine Wertschätzung zu versichern und beizutragen zur Wiederanknüpfung einer noch nützlicheren Zusammenarbeit zwischen Kunst und Kirche. Meinerseits lade ich dazu ein, die Tiefe der geistlichen und religiösen Dimension wiederzuentdecken, wie sie zu allen Zeiten für die Kunst in ihren edelsten Ausdrucksformen charakteristisch war. Aus dieser Perspektive appelliere ich an euch Künstler des geschriebenen und gesprochenen Wortes, des Theaters und der Musik, der bildenden Künste und der modernen Technologien der Kommunikation. […]
Das Verhältnis von Kirche und Kunst in Architektur, bildender Kunst, Literatur, Theater, Musik hat eine bewegte Geschichte. In den neuzeitlichen Jahrhunderten, am stärksten seit 1800, lockerte sich die Verbindung von Kirche und Kultur und damit von Kirche und Kunst. Das geschah im Namen der Autonomie und wurde im Namen einer fortschreitenden Säkularisierung verschärft. Zwischen Kirche und Kunst entstand ein Graben, der immer breiter und tiefer wurde. Dies wurde am offenkundigsten im Bereich der Literatur, des Theaters und später des Films. Die gegenseitige Entfremdung vermehrte sich durch die Kritik an Kirche und Christentum, ja an Religion überhaupt. Die Kirche wurde ihrerseits - das ist einigermaßen verständlich - mißtrauisch gegen den modernen Geist und seine vielfältigen Ausdrucksgestalten. […]
Wir sagten, der Kirche und der Kunst gehe es um den Menschen, um sein Bild, um seine Wahrheit, um die Erschließung seiner Wirklichkeit - und dies in der gegenwärtigen Stunde, im aktuellen ”Aggiornamento“, um ein Wort des II. Vatikanischen Konzils zu gebrauchen.
Für diese Aufgabe leistet die Kunst der Kirche einen großen Dienst, den Dienst der Konkretion. Auf diesen Dienst ist die Kirche angewiesen; denn die Wahrheit ist konkret. In der heutigen Kunst, in Literatur und Theater, in der bildenden Kunst, im Film und weithin in der Publizistik wird der Mensch aller romantischen Verbrämung und Verklärung entkleidet - er wird, wie man sagt, in ungeschminkter Realität dargestellt. Dazu gehören in der heutigen Kunst der Aufweis der Verirrungen und Verwirrungen, der Ängste und der Verzweiflung, der Absurdität und Sinnlosigkeit, die Darstellung einer zur Karikatur entarteten Welt und Geschichte. Oft wird dies verbunden mit dem Abbau aller Tabus. […]
Literatur, Theater, Film, bildende Kunst verstehen sich heute weithin als Kritik, als Protest und Opposition, als Anklage gegen das Bestehende. Das Schöne scheint als Kategorie der Kunst auszufallen zugunsten einer Darstellung des Menschen in seiner Negativität, in seinem Widerspruch, in seiner Ausweglosigkeit, in der Abwesenheit von jeglichem Sinn.
Zu einem solch authentischen Dienst an der Wahrheit und am Menschen in Kunst und Publizistik wünsche und erbitte ich Ihnen, die Sie hier zugegen sind, und allen Ihren Berufskollegen von Herzen Gottes Licht und Beistand.
Die Kirche ist euch nahe und zählt auf euch! Sie erwartet, daß ihr ins Kino, ins Fernsehen und Radio, ins Theater, in den Zirkus und in jede Form von Unterhaltung jenen »Sauerteig« des Evangeliums einbringt, durch den jede menschliche Wirklichkeit ihr positives Potential am besten entfalten kann. […]
Eine Neuevangelisierung, die eure Welt, die des Showgeschäfts, außer acht lassen würde, ist nicht denkbar, da diese Welt so wichtig ist für die Heranbildung der Mentalitäten und Verhaltensweisen. Ich denke in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Initiativen, die die biblische Botschaft und das äußerst reiche Erbe der christlichen Tradition in der Sprache der Formen, der Klänge und der Bilder durch Theater, Kino und Fernsehen vorstellen. Ich denke auch an die nicht ausdrücklich religiösen Werke und Programme, denen es jedoch gelingt, die Herzen der Menschen anzusprechen und in ihnen Staunen, Fragen und Überlegungen zu wecken. […]
Das heilbringende Evangelium muß auf allen Straßen der Welt, auch auf denen der Presse, des Kinos, der Radiosender, des Fernsehens und des Theaters verkündigt werden.
aus: www.vatican.va // von: Johannes Paul II
DIKTATOREN SPRECHEN ÜBER DAS THEATER
Folge 8: PONTIFEX MAXIMUS CORNELIUS SCIPIO NASICA CORCULUM
In his second censorship (from 155 B.C.), there occurred a proof of the stern severity of Scipio’s character, and of his influence: at his proposal the senate ordered a theatre to be pulled down, the erecting of which had been approved by the censors, and which was very near to its completion. Scipio thought a theatre injurious to the morals of the Romans and could be harmful to the public interests, because he believed that this too would be cause of further disturbances, or that it was not in the public interest for Romans to become completely used to Greek luxuries. [Greeks were accustomed to sit during political assemblies, whereas Romans stood.] (Livy + Appian)
“It was this pestilential ruin [attending the theatres], this overthrow of honesty and decency that our Scipio feared for you when he forbade the construction of theatres, when he foresaw that you could easily be corrupted and subverted by prosperity, when he would not have you untroubled by the menace of a foe.” (St. Augustine)